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Die hebräische Bibel

Das Judentum basiert auf der hebräischen Bibel. Sie besteht aus drei Teilen:

  • die 5 Bücher Moses (Tora),
  • die Propheten (Newi’im)
  • die Schriften (Ketuwim).


Die hebräische Bibel wird auch "Tanach" genannt. Tanach ist  ein Akronym aus den hebräischen Anfangsbuchstaben von Tora, Newi’im und Ketuwim. Auf keinen Fall wird sie im Judentum als "Altes Testament“ bezeichnet, auch wenn das christliche "Alte Testament“ inhaltlich weitgehend damit übereinstimmt. Zum besseren Verständnis sind dennoch nachfolgend die in der christlichen Bibel üblichen Bezeichnungen für die einzelnen Bücher in Klammern angegeben.

Thorarollen
Torarollen

Bild-Quelle:flickr.com / dlisbona; Lizenz: Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) 

Die Tora

Die Tora umfasst die fünf Bücher Moses. Im Judentum werden die einzelnen Bücher nach ihrem jeweils ersten Wort so bezeichnet:

  • 1. Buch Moses:Bereschit ("Im Anfang“)
  • 2. Buch Moses: Schemot ("Namen“)
  • 3. Buch Moses: Wajikra ("Und er rief“)
  • 4. Buch Moses: Bamidbar ("In der Wüste“)
  • 5. Buch Moses: Dewarim ("Worte“)


Außerhalb des Judentums sind die fünf Bücher Moses als Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium bekannt.

Die Tora als Rolle und als Buch

Die Tora kann in zwei Formen vorliegen:

  • als Torarolle (Sefer Tora)
  • als gedrucktes Buch (Chumasch).


Ein Chumasch enthält den hebräischen Text mit Vokalzeichen und wird für nichtrituelle Zwecke wie etwa für das Torastudium verwendet. Die Bezeichnung "Chumasch" leitet sich aus  "chamesch" (hebr. "fünf") ab und ist eine Anspielung auf die Anzahl der Bücher Moses.

Eine Torarolle ist eine Schriftrolle aus Pergament, die auf zwei Holzstäbe gewickelt ist und auf die ein ausgebildeter Schreiber den hebräischen Text (ohne Vokale) mit der Hand geschrieben hat. Torarollen werden normalerweise in der Synagoge im Aron ha-Kodesch aufbewahrt. Im Gottesdienst am Montag und am Donnerstag sowie am Schabbat und an Feiertagen wird eine Torarolle herausgenommen, um einen bestimmten Abschnitt vorzulesen oder, genauer gesagt, nach bestimmten Kantillationszeichen singend vorzutragen. Um das Pergament nicht mit der Hand zu berühren, benutzt der Vorleser dabei als Lesehilfe einen speziellen Zeiger. Ebenfalls zu ihrem Schutz, aber auch zu ihrer Zierde, wird die Torarolle, wenn sie nicht gerade benutzt wird, mit einem speziellen Tuch und einem bestickten Mantel umgeben. Außerdem wird sie mit einer Krone oder einem Aufsatz mit klingenden Glöckchen geschmückt. Ist eine Torarolle so abgenutzt oder beschädigt, dass sie nicht mehr gebraucht werden kann, darf sie nicht einfach weggeworfen werden. Wie alle Schriften, die den Namen Gottes enthalten, muss sie auf einem Friedhof beerdigt oder in einer "Geniza", einem speziell für solche Dokumente eingerichteten Raum, aufbewahrt werden.

Der Bedeutung der Tora

Die Tora ist die zentrale heilige Schrift des Judentums. Sie beginnt mit dem Bericht über Gottes Erschaffung der Welt und die Urgeschichte der Menschheit, erzählt dann von Gottes Bund mit Abraham und seinen Nachkommen, vom Abstieg der Israeliten nach Ägypten, ihrer Not und Sklaverei und ihrem Auszug aus Ägypten unter der Führung von Moses, von Gottes Offenbarung der Tora an Moses und das Volk Israel am Berg Sinai und der anschließenden Wanderung der Israeliten durch die Wüste und endet mit dem Tod Moses kurz vor dem Eintritt der Israeliten in das verheißene Land Kanaan. Eingeflochten in diesen Abriss über die Geschichte der Menschheit und die Anfänge des Volkes Israel sind die insgesamt 613 Gebote und Verbote (Mitzwot), die Gott speziell dem Volk Israel auferlegt und wovon sieben, die so genannten noachidischen Gesetze, auch für die gesamte Menschheit gelten. Die Befolgung der Mitzwot steht im Mittelpunkt der jüdischen Religionsausübung. Die Mitzwot sind die Grundlage des jüdischen Rechts (Halacha) und der jüdischen Ethik und bilden einen Rahmen für das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk Israel und zwischen den Menschen.  Daraus erklärt auch die Bedeutung des Wortes Tora im Hebräischen:  "Lehre“ oder "Anweisung“.

 Wochenabschnitte

Zusätzlich zur Einteilung in fünf Bücher ist die Tora auch in 54 Wochenabschnitte aufgeteilt. An jedem Schabbat wird ein solche "Paraschat ha-Schawua" (hebr. "Wochenabschnitt") in der Synagoge gelesen, so dass innerhalb eines Jahres die gesamte Tora einmal komplett durchgelesen wird.

Die Bücher der Propheten

Die Bücher der Propheten werden in zwei Gruppen eingeteilt:

  • die ersten Propheten (Newi’im Rischonim)
  • die letzten Propheten (Newi’im Acharonim).


Zu den ersten Propheten gehören Joschua (Josua), Schoftim (Richter), Schmuel I+II (Samuel) und Melachim (das erste und zweite Buch der Könige). Sie decken die Geschichte Israels von der Ankunft im verheißenen Land Kanaan bis zum Beginn der babylonischen Gefangenschaft ab.

Zu den letzten Propheten zählen Jeschaja (Jesaja), Jirmija (Jeremia) und Jechezkel (Ezechiel) sowie die sogenannten zwölf kleinen Propheten (trej asar) Hoschea (Hosea), Joel, Amos, Owadja (Obadja), Jona, Micha, Nachum, Chabakuk (Habakuk), Tzefanja (Zephanja), Chaggai (Hagai), Zecharja (Sacharja) und Malachi (Maleachi). Die Bücher der letzten Propheten umfassen die eigentlichen Prophezeiungen.

Die Propheten haben ihre Botschaften von Gott in Form von Visionen oder Träumen erhalten, mit ihren eigenen Worten aufgeschrieben und verkündet. Nur mit Moses hat Gott direkte Zwiesprache gehalten und ihm die Tora in einem vorgegeben Wortlaut diktiert. Daher haben die Bücher der Propheten einen niedrigen Status als die Tora.

Haftara 

In der Synagoge wird im Gottesdienst am Schabbat und an Feiertagen nach der Toralesung ein zum Wochenabschnitt  thematisch passender Abschnitt aus den Propheten gelesen. Diese Lesung wird Haftara  (hebr. "Abschluss“) genannt.

Die Schriften

Zu den Schriften gehören Tehillim (die Psalmen), Mischle (die Sprüche), Ijow (das Buch Hiob), Schir ha-Schirim (das Hohelied Salomos), Rut (das Buch Ruth), Echa (die Klagelieder), Kohelet (der Prediger), Ester (das Buch Esther), Daniel, Ezra, Nechemia und Diwrei ha-Jamim I+II (das erste und zweite Buch der Chronik).

Die Schriften sind in der Zeit des Babylonischen Exils entstanden und gelten als mit göttlicher Inspiration geschrieben, aber nicht als Prophezeiungen. Damit stehen die Schriften eine Stufe unterhalb der Bücher der Propheten. Auch die Schriften sind im Gottesdienst in der Synagoge präsent: die Psalmen sind ein Grundbestandteil der jüdischen Gebete, die fünf "Megillot" (hebr. "Rollen") Schir ha-Schirim, Rut, Echa, Kohelet und Ester werden an bestimmten Festtagen gelesen:

  • Megillat Rut an Schawuot
  • Megillat Kohelet an Schmini Atzeret
  • Megillat Ester an Purim
  • Megillat Echa am Trauertag Tischa be-Aw 
  • Schir ha-Schirim an Pessach
    Jüdische Bibel - Chumash
    Jüdische Bibel - Chumasch